Markisen

Wenn ich etwas mag, dann sind es Markisen, die Sonnendächer mit dem schönen Namen. Es gibt unzählige Markisenarten, unter denen jedoch nicht alle besonders charismatisch erscheinen, weil sie nur nützlich, aber nicht besonders ästhetisch sind. Dazu gehören zum Beispiel jene, die stramm mit festem Synthetikstoff bespannt sind und von kräftigen Gelenkarmen gestreckt werden, um spießbürgerliche Gartenterrassen zu beschatten. Sympathischer sind da schon solche, die ihre Hochzeit bereits hinter sich haben und in vergilbten Streifenmustern an eine Zeit erinnern, in der man unter ihnen saß und Sommerpartys feierte (in einer Zeit allerdings, in der man dazu noch „Feten“ sagte).
Als besonders charmant und erwähnungsbedürftig empfinde ich Markisen, die nur bedingt die Funktion eines Sonnendaches erfüllen, vielmehr schmückenden Zweck haben und möglicherweise einzig dazu gedacht sind, Hauswände, Türen und Schaufenster nicht ganz so nackt aussehen zu lassen. Kleine Korbmarkisen zum Beispiel, die wirken als hätte man sie mit Hingabe und Fingerspitzengefühl an kahle Hauswände gefriemelt, wo sie nun feststecken und an Frisierhauben oder halbe Hüte erinnern. Ihre großen Geschwister sind an besser besuchten Plätzen zu finden und hängen von Läden, Salons und Cafés herab, als wollten sie sich dem Passanten überstülpen, der unter ihnen indes genussvoll seine Zeit verstreichen lässt. Und genau dort fällt auf, wie fein herausgeputzt sie eigentlich erscheinen mit ihren wellenförmigen Stoffbahnen, als Äquivalent von feinen Krägen artiger Blusen, und da möchte ich mich gerne anschließen und darunter sitzen, friedlich lächelnd, denn diese Art der Stoffgespanne hat etwas an sich, das durch seine bloße Erscheinung die Umwelt ausradieren und als letztes Überbleibsel einer zur Gänze verdorbenen Welt herabhängen könnte, ohne dass daran etwas Schlechtes wäre.